Kerstin Müller


Der Sound meines Lebens
April 8, 2008, 8:52 p
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Seit Tagen mache ich eine Art Selbstexperiment: Ich teste den Einfluss von Musik auf mein inneres Empfinden. Ich laufe des öfteren die gleiche Strecke, stöpsel mir Musik in die Ohren, wähle aber jedes Mal andere Musik. Und es ist erstaunlich, was es bewirkt.

Ohne Musik kommt mir die Strecke trostlos vor. Ich kenne jede Ampel, weiß wo die besprühte Wand steht, die so trist aussieht, rieche schon drei Meter vor dem China Imbiss das olle Fett, sehe immer wieder in die leeren Gesichter der am Spielplatz sitzenden Obdachlosen. Ich fühle mich jedes Mal eingeengt, schuldig und hilflos zugleich. Es ist der Weg von der Arbeit nach Hause. Ich habe selbst einen langen Tag hinter mir, habe alle “Pflichten” erfüllt, und möchte nach Hause laufen, um runter zu kommen, abzuschalten, mich auszupendeln. Ohne Musik gelingt es mir selten.

Nun gehe ich die gleiche Strecke immer wieder mit Musik. Mal mit Enya, mal mit Coldplay, mal mit poetryclub, mal mit Madsen, mal mit Counting Crows, mal mit den Ärzten, mal mit Yann Tiersen, mal mit Madonna. Wow…. und der Effekt ist unglaublich. Je nach Musik, bemerke ich, wie ich anfange zu schlendern, anstatt zu hetzen, wie ich lächle, anstatt mich zu ärgern, wie ich mitsumme, anstatt zu schweigen, wie ich ein unglaubliches Gefühl von Freiheit empfinde, anstatt Enge zu spüren. Krass. Es ist also, als könne man seinem Leben seinen eigenen Sound geben. Das beweist mal wieder, welche emotionale Kraft Musik auf den Menschen hat. Oder nur auf mich? :-)

Nun muss ich los. Ans andere Ende von Berlin. Mein Sound für heute: poetryclub!



In SO einer Gesellschaft wollen wir leben!

Ich habe am Wochenende ganz viel Zeit damit verbracht, mich mal in den sogenannten Communities und Social Networks herumzutreiben. Stunden über Stunden habe ich damit verbracht, herauszufinden, wie man… jawoll… die Welt verbessern kann. Und das Ergebnis: Es ist eigentlich ganz leicht. In unserem Land tummeln sich Tausende von Menschen, die die Nase von unserem Gesellschafts, Staats- und Mediensystem gestrichen voll haben. Es tummeln sich Tausende von Menschen, die Konsum und Globalisierung ablehnen und zurück zu alternativen Nachhaltigkeitslösungen finden. Es tummeln sich Tausende von Menschen, die Berufungen in sich püren und sich stark machen für ein ganz bestimmtes Thema und so ihren Anteil an unserer Gesellschaft leisten. Ich bin total begeistert davon. Allen voran möchte ich zwei Seiten vorstellen:

diegesellschafter.de

Aktion Mensch hat schon 2006 die Kampagne “die Gesellschafter” ins Leben gerufen. Und tatsächlich: Sie haben eine Plattform geschaffen, auf der Menschen Ideen, Visionen und Utopien äußern können und zu nahezu allen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen diskutieren können. Angereichtert werden die Diskussionen durch Fachbeiträge von Experten, die dann zur Debatte stehen. Es lohnt sich, dort einmal herumzusurfen und sich anzumelden. Schnell stellt man fest: In SO einer Gesellschaft, wie ich sie mir wünsche, wollen noch ganz viele andere Menschen leben.

utopia.de 

Die zweite Empfehlung möchte ich für das noch relativ junge und neue Netzwerk Utopia aussprechen. Die Seite widmet sich komplett dem Thema “Strategischer Konsum” und ist eine Austauschplattform für alle, die sich mit ihrem Leben bewusster auseinandersetzen möchten. Die Seite ist nicht nur toll aufbereitet, sondern besonders wertvol finde ich die Art der dort möglichen Kommunikation. Man kann eigene Ideen und Öko-Vorschläge formulieren und direkt feststellen, wer noch dieser Meinung ist. Man kann Bewertungen zu neuen, alternativen Konsummöglichkeiten abgeben und voneinander lernen und profitieren. Und noch ein großer Bonus: Hier tummeln sich Menschen, die man bei den Riesen unter den Social Networks wie StudiVZ und XING eher nicht findet. Die Utopisten dieser Seite möchten sich ernsthaft austauschen und sich einem ganz bestimmtem Thema widmen, Hier geht es nicht um Foto-Tausch und neurotische Selbstvermarktung. Hier geht es um Ideen und Wünsche und die Möglichkeit, Mitstreitern für Bewegungen und Projekte zu finden. Tolle Sache für alle, die sich mal mit dem Inhalt ihres Kühlschrankes oder der Stromrechnung vom letzten Jahr etwas näher beschäftigen möchten!

Noch eine Seite, die ich entdeckt habe: realisr.com

Hier kann man konkrete Projektideen vorschlagen und Menschen suchen, die mitmachen möchten. Tolle Möglichkeit, über den eigenen Freundeskreis hinaus Menschen zu finden, die sich ebenfalls engagieren.

Die etlichen Diskussionen, die in all diesen Netzwerken geführt werden, stellen eine riesengroße Chance für die traditionellen Medien aber auch für die Politik dar. Ich hoffe, dass es nicht mehr lange dauert, und diese Art der Bürgermedien ernst genommen und publik gemacht werden. Aber eins hoffe ich am allermeisten: Dass aus dem vielen Reden in diesen Netzwerken auch Taten entspringen, die dann wirklich dazu beitragen, unsere Gesellschaft zu verändern. Das Potenzial dafür ist da: 11.000 registrierte Menschen bei Utopia, über 40.000 Beiträge auf diegeselschafter.de! 



Pause vom Leben?!
Februar 28, 2008, 12:10 p
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Uff, ich fühle mich wie ein Gärtner, der seine Blume vergessen hat, zu gießen. Entschuldigt meine lange Zeit der Stille hier. Ich war schwer mit der Geburt der Reporter positiver Nachrichten beschäftigt und arbeite mit einigen wundervollen Menschen an interessanten und spannenden Ideen zur… ja…. zur Verbesserung dieser Welt. Nein, die Welt kann eigentlich nichts für irgendwas. Sagen wir: Wir arbeiten an der Verbesserung der Gesellschaft :-)
Ich spüre es seit Tagen schon wieder am eigenen Leib: Das Arbeitsleben ist unlogisch, egoistisch, leistungsorientiert, unpersönlich, fies, gerinsschätzend und stressig. Die Menschen funktionieren im Büro wie kleine Roboter ohne es zu merken. Verlieren Selbstwert, Talente und Kompetenzen. Denken, Machen, Voranbringen. Den ganzen Tag. Urlaubsantrag: Abgelehnt. Früherweg und zum Arzt: Abgelehnt. Energie schöpfen und zuhause Arbeiten: Abgelehnt. Mal Pause machen, so lange es der Körper braucht: Unmöglich.

Was ist passiert in der Arbeitswelt? Müssen wir nur noch leisten um zu verdienen um zu konsumieren? Ist es in anderen Ländern auch so schlimm, dass der Kapitalismus Einzug in alle Lebensbereiche Einzug erhält? Ans Private denken ist im Büro kaum drin, das Magengrummeln wartet, es geht ja Zeit beim Kaffee-Talk mit den Kollegen verloren. 8 Stunden 30 steht auf dem Arbeitskonto. Jeden Tag. Die Pause ist exklusive. Und das alles, obwohl wir einfach nur arbeiten, um zu leben? Ah, da stellt sich die Frage: Konnte sich das alles erst so entwickeln, weil es zu viele Menschen gibt, die lieber arbeiten als leben? Single. Kinderlos. Hochproduktiv. Führungskraft. Und das strahlt dann aus auf die “Untere Nahrungskette”? Hmm. Möglich. Ein Schritt zurück. Ich arbeite also um zu leben. Kann aber bald nicht mehr leben, weil mich die Arbeit einnimmt. Ich brauche also eine Pause. Von der Arbeit. Oder vom Leben? Vom Leben, dass im 21. Jahrhundert zu - na sagen wir- pie mal Daumen - zu 70% aus “Erwerbstätigkeit” besteht. Puh. Es hat sich einnehmen lassen vom funktionalen Handeln Kapitalorientierter Arbeitsmonster. Grauenvoll. Und wir alle mittendrin. Ein Hoch auf die, die sich loslösen können.

Also: Eine Pause vom Leben. Vom Leben mit der Arbeit. Der Arbeit am Überleben. Dringend nötig. Adé Sozialversicherungspflicht. Du und das deutsche Arbeitssystem: Ihr könnt mich mal!*

Und Ihr?

* Dies ist lediglich ein einfach mal geäußerter Gedankenkreisel. Es entspricht nicht meiner aktuellen Situation.  Mutmaßungen sind erlaubt, aber der Erguss Eurer Phantasie :-)